Wer gibt Pongo eine Chance? 

Pongo

Pongo könnte am 25. Feburar reisen. Eine vorherige Blutuntersuchung ist genauso selbstverständlich wie Impfung, Kastration, Mikrochip und EU-Pass. 

Sollten Sie sich für  Pongo interessieren, schreiben Sie mir.  Ich  freue mich auf Ihre Nachricht.

Geboren 2/2020,

47 cm Schulterhöhe

Gewicht: 9 kg

PONGO 

Der kleine Pongo gehört seit Anfang September in die Familie der Podencolitos. Er befand sich in einem tiefen Trauma, das auf schwerste Misshandlung zurückzuführen ist. Seine Rute wurde ihm abgeschlagen, eine Zehe abgeschnitten, eine weitere Zehe zertrümmert. Er hatte so große Angst vor weiteren Schmerzen, dass er sich stets und ständig wehrte, obwohl niemand in seiner Nähe war. Er biss fortwährend um sich, schnappte in die Luft und wehrte immerzu Gefahren ab, die gar nicht da waren. Ein Bild, das mir das Herz zerriss.

Mir war klar, dass Pongo aus dieser seelischen Erschütterung, in der er hilflos gefangen war, nur durch neu gewonnenes Vertrauen wieder herausfinden würde. Ich bat Mar, ihn in ihrem Haus aufzunehmen, wo er auch medizinisch betreut werden konnte.

Pongos Blutanalyse war ohne nennenswerte Veränderungen. Die Serologie zu den Mittelmeerkrankheiten war komplett negativ. Auf den Röntgenaufnahmen der rechten hinteren Pfote war eindeutig zu erkennen, dass ein Knöchelchen des 2. Fingers gebrochen war und die Mittel- und Endknöchelchen des 3. Fingers gänzlich fehlten.

Ich weiß nicht, wer ihm das angetan hat. Aber ich weiß, dass ein Podenquero, der sich in seiner Ehre verletzt fühlt, weil sein Hund in seinen Augen versagt und die gewünschte Leistung nicht erbracht hat, seine Frustration darüber grausam an seinem Hund auslässt. Den Perversitäten des Jägers sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Mar kümmerte sich sehr liebevoll um den kleinen Pongo. Dennoch wollte seine Seele nicht gesunden. Vor allem in den Nächten, wenn er allein war, behielt er sein stereotypes Verhalten bei. Wir waren ratlos, weil alle unsere Bemühungen, ihm zu helfen, im Sande verliefen. Der Tierarzt setzte schließlich sogar Schmerzmittel ein, um ausschließen zu können, dass Schmerzen der Grund für sein krankhaftes Verhalten waren. Aber auch das brachte keine Veränderung.

Erst als Cora, eine sanfte Podencolita, Pongos Weg kreuzte, begann er sein Verhalten langsam zu verändern. Cora gehörte schon seit Anfang August zur Familie der Podencolitos. Man hatte sie völlig dehydriert in flirrender Hitze mitten auf einem von der Sonne verbrannten Feld gefunden. Sie trug noch die Kette um ihren Hals, die ihr Besitzer ihr umgelegt hatte. Niemand hatte gesehen, was ihr das draußen auf dem Feld widerfahren war, aber die tiefen Schnittverletzungen an einem ihrer Vorderläufe und die vielen kleinen Stichverletzungen an ihrem Hals waren stummes Zeugnis für die Schmerzen, die sie ertragen haben musste.

Pongo vertraute Cora. Er beschloss, ihr nicht mehr von der Seite zu weichen, und auch Cora zeigte sich stets besorgt um ihren neuen kleinen Freund. Mit den anderen Hunden rannte und tobte sie wild und ausgelassen über den Platz. Mit Pongo, der das Spiel mit anderen Hunden nicht kannte, spielte sie sanft und liebevoll, so als spürte sie seine Hilflosigkeit und seine Sehnsucht nach Geborgenheit. Mar war begeistert von Coras Art, Pongo in ihren Bann zu ziehen und schrieb in einer WhatsApp: „Wenn einer Pongo aus seinem Trauma befreien kann, dann ist es Cora!“ Und genau so kam es. Pongo wurde in Coras Gegenwart immer selbstsicherer und vergaß mehr und mehr das krankhafte Verhalten, das er stets nach gleichem Muster zeigte. Wir dachten bereits, wir seien mit dem kleinen Mann auf der Zielgraden, als Pongos Schicksal seine Krallen zeigte. Cora hatte einen Platz in Deutschland gefunden. Am 1. Oktober hieß es Abschied nehmen von ihrem kleinen Freund. Pongos neue schöne Welt brach von einem auf den anderen Tag in sich zusammen. Seine engste „Vertraute“, seinen neuen Bezugspunkt, gab es auf einmal nicht mehr in seinem Leben. Er zog sich zurück und trauerte. Und, wie es nicht anders zu erwarten war, kehrte sein stereotypes Verhalten wieder zurück. Ich grübelte tagelang darüber nach, wie ich dem kleinen Pongolito helfen könnte. Ich fragte die Pflegestelle von Cora, ob nicht noch ein Platz für Pongo frei wäre. Aber einen Rüden konnte man augenblicklich nicht aufnehmen und letztendlich hätte es auch nur wenig Sinn gemacht, denn eines Tages wäre Cora auch dort wieder ausgezogen um in ihr „Für-immer-Zuhause“ zu wechseln.

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Was sollte nun aus Pongo werden? Wie konnte ich ihm helfen? Ich zermarterte mir mein Gehirn nächtelang, um eine Lösung für ihn zu finden. Bis mir schließlich der rettende Gedanke kam: Lag die Verbesserung seines Verhaltens wirklich daran, dass Cora ihm Sicherheit bot? Oder war es vielmehr die Beschäftigung, die er durch ihre Gesellschaft hatte? War er durch die gegenseitige ständige Kommunikation, das Spielen und Rennen mit ihr möglicherweise geistig und körperlich ausgelasteter als zuvor? Es war unmöglich, das jetzt noch herauszufinden. Cora war längst in Deutschland und zu den anderen Hunden hatte er noch nicht genug Vertrauen aufgebaut, um sich auf sie einzulassen. Dennoch musste ich meine These untersuchen lassen, wollte ich diese Chance auf Rettung nicht verstreichen lassen. Ich musste einfach wissen, ob ich mit meiner Vermutung richtig lag und Pongo einfach nur mehr Beschäftigung brauchte. Ich bat Mar deshalb, ihn vorübergehend tagsüber zu einer Verhaltenstherapeutin zu bringen, mit der sie schon seit Jahren zusammenarbeitete. Mir war natürlich klar, dass sich sein Verhalten nicht von heute auf morgen ändern würde. So hieß es also abwarten und sich in Geduld üben, um zu sehen, ob die Therapie anschlagen würde. Die erste Woche verging ohne bedeutsame Veränderungen. Doch schon nach der zweiten Woche zeigte Pongo sein offenbar erlerntes Verhalten wesentlich seltener und nach der dritten Woche benahm er sich wieder völlig unauffällig. Auch in den Nächten schlief er jetzt durch. Die Therapeutin war sich mittlerweile sicher, dass ich mit meiner Vermutung richtig lag. Sie geht davon aus, dass Pongo schon im Welpenalter in einen engen Käfig gesperrt worden war und möglicherweise später auch an der Kette lag, sodass er immer unter extremer Bewegungseinschränkung leiden musste. Diese stetige seelische und körperliche Qual wird letztendlich dazu geführt haben, dass die Seele des kleinen Geschöpfes einen Ausweg aus der nicht enden wollenden psychischen Belastung gesucht hat und somit das krankhafte, stereotype Verhalten ausgelöst wurde.

Aber all das gehört jetzt Gott sei Dank der Vergangenheit an. Mittlerweile ist unser Pongolito bereit für die Reise in ein Für-immer-Zuhause! Er ist auf der Suche nach einem aktiven Frauchen/Herrchen, das immer mit ihm zusammen sein kann und ihm die Zuwendung schenkt, die unser kleiner Freund so dringend braucht. Pongo wünscht sich einen Artgenossen als Spielkameraden, lange Spaziergänge in der Natur, in den Bergen, am Strand oder über Wiesen und Felder. Denn nur wenn der kleine Mann ausgelastet wird, wird er auch in der Lage sein, sein qualvolles früheres Leben für immer zu vergessen. Pongo ist mittlerweile ein Teil meines Herzens geworden und ich werde ihn mit schützender Hand auf seinem Weg in ein neues Leben begleiten.